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Im nachfolgenden Text spreche ich die Suchtkrankheit vorwiegend allgemein an. Auf Grund persönlicher Erfahrungen und Beobachtungen habe ich festgestellt, dass das Grundprinzip bei jeder Sucht ähnlich oder gleich ist.
Zusätzlich möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich hierbei um meine eigene Meinung handelt und nicht
s mit irgendwelchen wissenschaftlichen Studien zu tun hat.

Gleich zu Beginn möchte ich vorausschicken , dass nicht jeder, der ein paar Kilo Übergewicht hat, auch unter Essstörungen leidet. Krankhaft wird dies erst, wenn man von der "Fettsucht" - der Adipositas permagma oder der sogenannten Binge-eating-Störung spricht, bei der innerhalb küzester Zeit große Nahrungsmengen zu sich genommen, diese aber nicht wieder erbrochen wird. Bzw. wenn ein Betroffener merkt, dass er "zwanghaft" zu viel isst und dies nicht mehr unter Kontrolle bringen kann.

Viele Übergewichtige Menschen haben unzählige Versuche hinter sich, ihr Gewicht zu reduzieren. Dabei werden zum Teil die seltsamsten Diäten ausprobiert, die aus Ernährungstechnischer Sicht von vorn herein zum Scheitern verurteilt sind.
Wer schon einmal in irgend einer Form eine Diät gemacht hat, der hat schon bemerkt, dass das eine Weile ganz gut geht. Zunächst verliert der Körper viel Wasser. Nach kurzer Zeit verlangsamt sich der Stoffwechsel - die Umwandlung von Nahrung in Energie verläuft langsamer, die Pfund purzeln nicht mehr so rasch. Grund dafür ist ein Überlebensmechanismus des Körpers: der Körper empfindet die Diät als Hungersnot und schraubt den Energieverbrauch zurück. Nach Abbruch der Diät beginnt man wieder normal zu essen (oder hat vielleicht sogar Heißhungeranfälle), der Stoffwechsel ist jedoch immer noch verlangsamt. Durch das zuführen von mehr Nahrung bekommt der Körper signalisiert, dass gerade ein mehrvorkommen an Energie (also Nahrung) vorhanden ist. Diese wird er aber speichern, da er noch auf "sparsam sein" programmiert ist. Das führt dazu, dass man die verlorenen Pfunde rasch wieder zunimmt. Viele wiegen im Anschluss an die Diät mehr als zuvor. Vielfach wird eine neue Diät begonnen, die genauso tragisch endet wie die vorhergehende. Vor allem wird der Körper durch das ständige hin und her, auf und ab sehr verunsichert und gestresst.

Ich bin der Meinung, dass noch ein ganz anderer, wichtiger Faktor eine große Rolle spielt.
Schon die alten Chinesen wussten: Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper.
Gibt es dauerhafte Defizite, die den Betroffenen belasten, wird die Seele krank. Wenn die gezeigten
"Alarmzeichen"
( innerer Rückzug, zu viel essen, erbrechen nach dem Essen, dauerhafte Nahrungsverweigerung mit der Ausrede auf Diät zu sein, vermehrter Zugriff auf Alkohol schon in den Morgen- oder frühren Mittagstunden) nicht oder erst nach Jahren erkannt werden, mit der Zeit auch der Körper krank wird. Irgendwann fängt man an, sich mit einem bestimmten Lebens- oder Genussmittel zu trösten und entdeckt den "Betäubungseffekt".
Je nach dem, was für eine Situation der Betroffene erlebt oder erlebt hat, erscheint ihm die Realität oftmals zu grausam und er hat das Gefühl, das nicht aushalten zu können. Um dieses schlimme Gefühl aushalten zu können oder zu überdecken, verkonsumiert der Betroffene ein zu viel von einem von ihm "auserkorenen" Suchtmittel. Da der Betäubungseffekt nur kurze Zeit anhält, nimmt er mehr Suchtmittel zu sich , um dem gewünschten Effekt zu erzielen. Und so steigert sich das bis ins unermessliche und er verliert die Kontrolle über Menge und Häufigkeit des Konsums. Bei den Esszwängen ( bzw. den nicht-essen-wollen-Zwängen) geht im laufe der Zeit das normale Hunger-Sättigungsgefühl verloren. Die Sucht (Essstörung) hat sich eingestellt.

Seelischer Hunger nach Liebe, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Verständnis oder auch das Bedürfnis, wütend sein zu dürfen, Gefühle zeigen zu dürfen, so sein zu dürfen wie man ist wird oftmals mit der Sucht überdeckt.
Durch die körperliche Krankheit oder die Sucht versucht die Seele auf ihr Defizit aufmerksam zu machen.
Die eine Person verfällt dabei in krankhafte Zwangsarbeit
( Workaholic), die andere Person vielleicht in Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, Waschzwang, Kaufzwang, Kontrollzwang, Rauchen, zwanghafte Selbstverletzung (Boderline), Sammelzwang (Messie), zwanghafte Nahrungsverweigerung (Anorexie = Magersucht), zwanghaftes Erbrechen von Nahrung (Bulimie), und bei manchen äußert sich das in zwanghaften, unkontrollierbaren Essanfällen (Adipositas permagma/Binge-eating).
Das alles sind Süchte, die nichts mit Willensschwäche oder Undiszipliniertheit zu tun haben. Im Gegenteil. Hier ist sehr große Disziplin erforderlich, denn nach außen hin wird der Betroffene sehr bemüht sein, ein anderes, "gesundes" Bild aufrecht zu erhalten.
Süchte sind krankhaftes Verhalten. Jemand, der einer Sucht verfallen ist, leidet große seelische Not. Der Betroffene sieht keinen anderen Weg, anders mit einem für ihn sehr schlimmen Problem fertig zu werden, wobei er sich des Problems noch nicht einmal bewußt sein muss. Das Wort Sucht sagt eigentlich schon, was der Betroffene für ein Problem hat: er ist auf der Suche. Auf der Suche nach Liebe, Anerkennung, angenommen und akzeptiert werden, Selbstachtung usw. Diese Liste ließe sich beliebig lange fortsetzten.
Vielleicht ist er aber auch ganz einfach nur auf der Suche nach sich selbst, seinen Bedürfnissen, Wünschen und Gefühlen. Leider sucht der Betroffene diese Eigenschaften im Außen, wo er sie in der Regel nur kurzfristig, sehr spärlich oder überhaupt nicht findet.
Was wiederum dazu führt, sich in die Sucht zu flüchten. Ein Teufelskreis.
Wenn also bei einer betroffenen Person plötzlich äußere Auffälligkeiten zu beobachten sind, sollte man dies durchaus ernst nehmen und sich ggf. fachlichen Rat zu Hilfe holen.

Ich habe in langer Eigenstudie heraus gefunden, dass fast alle Suchtkranken Menschen unter den gleichen Grundsymptomen leiden: mangelndes Selbstwertgefühl, mangelndes Selbstbewusstsein, Angst nicht gut genug zu sein, Angst vor Ablehnung, das unstillbare Verlangen nach bedingunsloser Liebe oder das Bedürfnis nach Eigenentfaltung. Und sie können mit Gefühlen schlecht oder überhaupt nicht umgehen. In der heutigen Zeit, wo jeder nur noch funktionieren muss, sind Suchtkrankheiten beinahe an der Tagesordnung.

Auch das sogenannte "Loch" in Bauch wird oft mit Hunger verwechselt. Das sind oftmals Gefühle, die sich bemerkbar machen. Gefühle wie Wut, Hass, Trauer,Angst, Hilflosigkeit oder seelischer Schmerz.
Aber auch körperliche Gewalt verursacht lebenslang seelischen Schmerz, wird er nicht behandelt.
Gefühle wollen wahr genommen, bemerkt und vor allem ausgelebt werden. Werden sie aber immer wieder unterdrückt - aus welchen Gründen auch immer, suchen sie sich einen anderen Weg an die Oberfläche. Dann ist eben oft der Griff zu Flasche, zur Spritze, den Finger in den Hals, Nahrungsverweigerung oder über den Hunger hinaus essen die einzigst sichtbare Lösung, um diese Gefühle nicht mehr spüren zu müssen.
Denn in dem Moment, wo der Betroffene die anderen negativen Auswirkungen seiner Sucht spürt, muss er die Gefühle, die ihm etwas mitteilen wollen, nicht spüren. So müsste sich der Betroffene durch das wahr nehmen der Gefühle eingestehen, dass es in seinem Leben eine Situation gibt, die ihn unglücklich macht und die er bearbeiten muss. Doch aus verschiedenen Gründen ist der Betroffene nicht in der Lage, dies zum Ausdruck zu bringen und leidet still in sich hinein, da er große Angst vor den Konsequenzen, einer Veränderung oder des Verlassen werdens hat. Und um dies aushalten zu können, wird das Gefühl, die Situation mit der Sucht "zugedeckelt".

Es zeugt von großer Unwissenheit, wenn Menschen andere Menschen mit einer Sucht Verurteilen und Sprüche fallen wie : "Soll sie/er halt nicht so viel fressen", oder "der braucht doch bloß mit dem saufen aufhören". Bekommen Süchtige diese Verurteilungen mit, stürzt es sie wieder einmal mehr in ihre Sucht hinein, weil sie sich unverstanden und abgelehnt fühlen.
Eines haben alle Süchte gemeinsam: Der Betroffene muss anfangen zu begreifen, dass nur er selbst etwas an seiner Situation ändern kann. Wie oben schon erwähnt, sucht der Betroffene sein Heil im Außen. Doch Veränderung beginnt immer bei sich selbst, niemals im Außen. Wenn der Betroffene nicht beginnt, sich selbst Achtung zu schenken, sich selbst ernst zu nehmen, seine Bedürfnisse zu erkennen und zum Ausdruck zu bringen, seine Gefühle - positiv wie negativ - wahr zu nehmen und vor allem auch im "nüchternen" Zustand auszuhalten, wird er weiterhin in seinem Sumpf stecken bleiben. Alles verschlimmert sich im laufe der Zeit. Sein ganzes Dasein dreht sich nur noch um die Sucht, so lange, bis er entweder bereit ist, etwas zu Verändern oder bis sein Körper die Auswirkungen der Sucht nicht länger verkraftet und aufgibt.
Je nach dem, wie lange die Sucht schon besteht oder wie schwerwiegend sie ist, schaffen es manche Betroffene nicht, sich aus ihrem Teufelskreis zu befreien und sterben an den Folgen ihrer Sucht.

Der Weg zur Veränderung ist oftmals lang, anstrengend und vor allem schmerzhaft, seelisch wie körperlich. In den meisten Fällen kann sich der Suchtkranke nicht mehr alleine aus seinem Teufelskreis befreien und ich rate sogar davon ab — je nach "Schweregrad" der Suchtauslöser — dies im Alleingang tun zu wollen. Die Gefühle und Ängste, die dann wieder an die Oberfläche gelangen, können für den Betroffenen so gewaltig sein, dass er diese nicht mehr verkraftet...
Dann ist der Gang zu einem Therapeuten oder einer Therapeutin oder sogar ein Klinikaufenthalt unumgänglich. Nur eines ist klar: Der Betroffene muss es von sich aus wollen, ohne Zwang von außen. Er muß aus seiner "Oferrolle" heraus wollen. Wird er zu einer Therapie gezwungen, ist das Vorhaben von vorn herein zum scheitern verurteilt. Die Gefahr, dass er wieder rückfällig wird, ist vorprogrammiert. Denn der Betroffene wollte sich ursprünglich gar nicht von seinem Drama lösen. So muss er - bedauerlicher Weise - noch eine Weile weiter leiden, bis er begreift, dass er sich selbst zerstört.

Wenn es dann endlich "klick"gemacht hat, sind viele noch nicht so weit, sich in die Hände von Therapeuten zu begeben.
Dann hilft es vielleicht erst einmal, Menschen zu finden, die in der gleichen Situation sind und sich über ihre Erfahrungen austauschen wollen. Zudem hilft es, zu erkennen, dass man mit seinen Problem nicht alleine da steht und es viel mehr Menschen gibt, die ein solches Problem haben. Man entdeckt, dass sich so etwas durch alle Schichten unserer Gesellschaft zieht; beim Harz IV Empfänger angefangen, über Verkäufer/in oder Abteilungsleiter, bis hin zu Ärzten und Manager.
Selbthilfegruppen findet man über die
Tageszeitung, dem Internet, der örtlichen Krankenkasse oder durch den Hausarzt.

Für Betroffene, die garade erst erkannt haben, dass sie ein Problem mit einem Suchtmittel haben, fühlen sich durch diesen Bericht vielleicht eher geschockt oder abgeschreckt. Jedoch halte ich nichts davon, Schönfärberei zu betreiben. Die Aufarbeitung von Problemen und traumatischen Erfahrungen ist alles andere als Zuckerschlecken. Es ist verdammt harte Arbeit! Jedoch möchte ich auch die Hoffnung wecken, dass die "Hölle" einen Ausgang hat. Jeder hat die Wahl, weiter in seiner Hölle zu schmoren oder sich mit Hilfe einen konstruktiven Ausgang zu suchen.

Ich wünsche Ihnen Kraft und Mut auf Ihrem Weg, der Sie hoffentlich dort hin bringt, wohin Sie gerne möchten: zu sich selbst und damit in ein besseres Leben

                                                                   

                                                        herzlichst


                                                                                   D.Wieler

 

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